Einfach Stichwort eingeben und Ihre nächste Auszeit entdecken.
Viele Entscheidungen sind einfach. Andere begleiten uns über Wochen oder Monate.
Soll ich den Job wechseln? Soll ich ein Angebot annehmen? Möchte ich etwas in meinem Leben verändern? Ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?
Wir sammeln Informationen, schreiben Listen, sprechen mit Freunden und denken noch einmal darüber nach. Trotzdem wird die Entscheidung nicht leichter.
Das Problem ist dann häufig nicht, dass Informationen fehlen. Es fehlt Abstand.
Die folgenden fünf Schritte können Ihnen helfen, eine festgefahrene Entscheidung zu sortieren. Sie brauchen dafür keine besondere Methode. Nehmen Sie sich etwa eine Stunde Zeit, Papier und Stift und gehen Sie zwischendurch eine Runde nach draußen.
Beginnen Sie nicht mit einer langen Beschreibung Ihrer Situation.
Schreiben Sie stattdessen auf:
Welche Entscheidung möchte ich treffen?
Formulieren Sie daraus einen einzigen Satz.
Zum Beispiel:
„Soll ich mich beruflich verändern oder noch mindestens ein Jahr in meiner jetzigen Position bleiben?“
Das klingt banal. Probieren Sie es trotzdem aus.
Oft zeigt sich bereits beim Formulieren, dass die eigentliche Frage eine andere ist.
Vielleicht lautet sie:
„Will ich überhaupt noch in diesem Beruf arbeiten?“
Oder:
„Was müsste sich an meiner jetzigen Arbeit ändern, damit ich gerne bleibe?“
Bevor Sie nach einer Antwort suchen, sollten Sie wissen, welche Frage Sie eigentlich beantworten möchten.
Nehmen Sie ein Blatt Papier und ziehen Sie in der Mitte einen Strich.
Schreiben Sie links:
Das weiß ich.
Rechts schreiben Sie:
Das vermute oder befürchte ich.
Bei einem möglichen Jobwechsel könnte links beispielsweise stehen:
Auf der rechten Seite könnte stehen:
Beide Seiten sind wichtig. Sie sollten sie nur nicht miteinander verwechseln.
Eine Befürchtung kann berechtigt sein. Sie ist trotzdem noch keine Tatsache.
Prüfen Sie anschließend die rechte Seite. Bei welchen Punkten können Sie zusätzliche Informationen beschaffen? Welche Fragen könnten Sie vor einer Entscheidung noch klären?
Damit wird aus diffusem Grübeln eine konkrete Aufgabe.
Lassen Sie das Papier liegen und gehen Sie nach draußen.
Sie müssen dafür nicht wandern. Ein Park, ein Feldweg oder eine ruhige Runde durch den Ort reicht.
Nehmen Sie zunächst keine neue Pro und Contra Liste mit.
Stellen Sie sich stattdessen nur eine Frage:
„Was hält mich gerade davon ab, eine Entscheidung zu treffen?“
Dann gehen Sie.
Versuchen Sie nicht, sofort eine Antwort zu finden. Geben Sie sich zehn oder fünfzehn Minuten.
Dass Bewegung beim Denken eine Rolle spielen kann, wurde auch wissenschaftlich untersucht. Forscher der Stanford University fanden in Experimenten Hinweise darauf, dass Gehen insbesondere das kreative, sogenannte divergente Denken fördern kann.
Das bedeutet nicht, dass ein Spaziergang automatisch zu einer richtigen Entscheidung führt.
Er schafft aber einen anderen Rahmen als der Schreibtisch, an dem Sie möglicherweise bereits viele Stunden über dieselbe Frage nachgedacht haben.
Ein Grund für langes Grübeln ist die Suche nach Sicherheit.
Wir möchten vorher wissen, ob eine Entscheidung richtig sein wird.
Bei wichtigen Lebensentscheidungen gibt es diese Sicherheit häufig nicht.
Sie können Informationen sammeln, Risiken abwägen und verschiedene Möglichkeiten durchspielen. Was tatsächlich passiert, erfahren Sie erst danach.
Versuchen Sie deshalb eine andere Frage.
Nicht:
„Welche Entscheidung ist richtig?“
Sondern:
„Mit welcher Entscheidung kann ich unter den heutigen Bedingungen gut leben?“
Das ist ein erheblicher Unterschied.
Sie müssen nicht die nächsten zehn Jahre vorhersagen. Sie treffen eine Entscheidung mit dem Wissen, das Ihnen heute zur Verfügung steht.
Am Ende der Stunde müssen Sie noch keine endgültige Entscheidung getroffen haben.
Bestimmen Sie stattdessen den nächsten konkreten Schritt.
Bei einer beruflichen Veränderung könnte das sein:
Setzen Sie sich dafür einen Termin.
Nicht: „Das mache ich demnächst.“
Sondern beispielsweise:
„Am Mittwochabend aktualisiere ich meinen Lebenslauf.“
Damit wird aus einem Gedanken eine Handlung.
Es gibt Entscheidungen, bei denen diese fünf Schritte reichen.
Und es gibt Situationen, in denen man immer wieder am gleichen Punkt landet.
Dann kann ein Gespräch helfen.
Das muss nicht sofort ein professionelles Coaching sein. Sprechen Sie mit jemandem, der gut zuhören kann und nicht versucht, Ihnen die Entscheidung abzunehmen.
Eine einfache Regel kann dabei helfen:
Bitten Sie Ihr Gegenüber zunächst nur, Fragen zu stellen.
Keine Ratschläge.
Kein „An deiner Stelle würde ich ...“.
Die Entscheidung bleibt bei Ihnen.
Ein gutes Gespräch muss Ihnen nicht sagen, was Sie tun sollen. Es kann Ihnen helfen zu erkennen, warum Ihnen die Entscheidung so schwerfällt.
Besonders interessant sind Zeiten, in denen Sie Ihren Alltag ohnehin verlassen.
Das kann ein freies Wochenende sein, ein längerer Spaziergang oder eine Reise.
Im Urlaub ändern sich viele Routinen automatisch. Der Arbeitsweg fällt weg, Termine werden weniger und die gewohnte Umgebung ist für einige Tage nicht ständig präsent.
Wenn Sie eine Entscheidung schon länger beschäftigt, können Sie diesen Abstand nutzen.
Reservieren Sie dafür beispielsweise einen Vormittag.
Gehen Sie eine Stunde spazieren. Setzen Sie sich anschließend mit einem Kaffee irgendwo hin und schreiben Sie auf, was Ihnen durch den Kopf gegangen ist.
Danach ist Schluss.
Der restliche Tag gehört wieder dem Urlaub.
Eine persönliche Auszeit muss kein Selbstoptimierungsprogramm werden.
Wenn Sie gerade vor einer Entscheidung stehen, nehmen Sie ein Blatt Papier und beantworten Sie diese drei Fragen:
1. Welche Entscheidung möchte ich tatsächlich treffen?
Schreiben Sie die Frage in einem Satz auf.
2. Was weiß ich und was befürchte ich nur?
Trennen Sie beides voneinander.
3. Was kann ich innerhalb der nächsten sieben Tage konkret tun?
Notieren Sie genau einen Schritt und einen Termin.
Vielleicht haben Sie danach noch keine endgültige Antwort.
Aber Sie haben etwas anderes erreicht: Sie haben aus einer großen Entscheidung eine konkrete Frage gemacht.
Und mit einer konkreten Frage lässt sich meistens besser weiterarbeiten als mit hundert Gedanken gleichzeitig.
Eberhard Kuhl war viele Jahre in der Unternehmensführung tätig und arbeitet heute als Berater und Coach. Er beschäftigt sich mit Führung, Veränderungsprozessen und beruflicher Neuorientierung. Mit HolidayCoaching.de hat er eine Plattform aufgebaut, die professionelles Coaching mit dem Aufenthalt an einem Urlaubsort verbindet.
Website: HolidayCoaching.de
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